Urlaub: Es sind die schönsten Tage des Jahres und dann das: Der Flug ist verspätet, das Zimmer schmutzig, ja fast unbewohnbar, das Hotelpersonal unfreundlich und die Lage des Hotels nicht wie im Prospekt beschrieben. Hier spricht man von einem Reisemangel. Diese oder andere Reisemängel können die schönsten Tage des Jahres vermiesen.

Doch was ist ein Reisemangel? Und ab wann ist eine Reklamation angebracht?

Es sollte ein erholsamer Urlaub werden. Stattdessen geriet der Flug von Baden-Baden an die türkische Riviera am 10. Oktober 2011 für 156 Passagiere einer Boeing 737 zum Horrotrip. Ursprünglich geplant für den 09.Oktober, war die Maschine der “Sky Airlines” wegen Unwetters in der Türkei erst am Folgetag um 09:00 Uhr gestartet. Die mehr als zwölf Stunden Verspätung hatten die Urlauber – mit dünnen Fleecedecken und Kissen dürftig versorgt – auf dem Fußboden oder auf Bänken des Baden Airparks Baden Baden verbracht. Beim Landeanflug auf Antalya platzte dann der rechte Reifen des Flugzeugs, das Fahrwerk knickte ein und die Maschine schlitterte hunderte von Metern weit in hoher Geschwindigkeit auf dem rechten Triebwerk. Das Triebwerk geriet in Brand, Panik brach unter den Reisenden aus. Aufgrund des Aufpralls zeigten sich schon bald Risse in der Flugzeugkabine, die sich schnell erweiterten. Lampen, Leisten, Metallscharniere und Gepäckstücke prasselten auf die schreienden Passagiere herab. Irgendwann hatte der Horror endlich ein Ende, die Maschine kam zum Stillstand – knapp vor dem ende der Landebahn. Wie durch ein Wunder war niemand ernsthaft verletzt worden. Enttäuschend jedoch: Eine Entschuldigung oder zumindest eine Nachfrage nach dem Befinden erhielten die Passagiere während ihres gesamten Urlaubs weder von der Fluggesellschaft, noch vom Veranstalter.

Reisemängel und Reklamationsgründe gibt es häufig

Reisemängel gibt es häufig. Dieses Erlebnis ist keineswegs ein Einzelfall. Fast jeder Reisende kann von mindestens einem unschönen Reise-Erlebnis berichten. Unsaubere Hotels, Horror-Flüge, vermüllte Strände, falsche Versprechen in Reisekatalogen- die Liste ist lang.
Andere Länder – andere Sitten denkt sich jetzt sicher so Mancher. Ich bin auch der Meinung, man sollte im Ausland nicht deutschen Standard erwarten dürfen und Ihre Bedüfnisse etwas an die örtlichen Gegebenheiten anpassen, denn sonst geht der Urlaub sowieso schon fast vorprogrammiert schief. Denn wer nach Fehlern sucht , findet meist immer irgendetwas zum mosern.

Gewisse Reisemängel aber sollten keinesfalls hingenommen werden. Schmutz oder gar Schimmel im Zimmer, ungeniessbares Essen, gefährliche Stellen in der Poolanlage etc. sollten unbedingt gemeldet werden. Auch das Hotelmanagement und der Reiseveranstalter wollen und sollten erfahren, wie es um ihre Hotels steht und die Chance bekommen, diese Mängel abzustellen. Die Deutschen sollen Statistiken zufolge sogar am meisten im Urlaub meckern.

Grösste Reisemängel: Flugverspätungen

Mit 90 Prozent machen Flugverspätungen den Hauptgrund für Beschwerden bzw. Reklamationen von Urlaubern aus. Wichtig zu wissen: Im Jahr 2006 hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg die Rechte der Passagiere deutlich gestärkt, indem er nun verlangt, dass Airlines ihre Kunden auch für Flugverspätungen entschädigen. Verspätungen durch Höhere Gewalt, wie starke Stürme, zählen allerdings nicht dazu. Flugverspätungen von bis zu zwei Stunden haben Reisende klaglos hinzunehmen. Erst nach einer Flugverspätung von zwei Stunden müssen Fluglinien aktiv werden. Dann müssen wartenden Urlaubern Mahlzeiten und Getränke gereicht werden. Ab wann sich die Fluglinie um wartende Urlauber kümmern muss, hängt von der Wartedauer und der Entfernung des Fluges ab: Bei einer Flugentfernung von bis zu 1500 Kilometern zum Zielort ab zwei Stunden Wartezeit, bei einer Entfernung zum Reiseziel von bis zu 3500 Kilometern ab drei Stunden Wartezeit. Bei einer Entfernung zum Zielflughafen von mehr als 3500 Kilometern ab vier Stunden Wartezeit der Passagiere.

Das sollten Sie im Falle einer Reklamation beachten

  • Flugverspätung am Schalter dokumentieren lassen
  • Reiseleitung vor Ort informieren
  • Reisemangel dokumentieren und von Reiseleistung unterzeichnen lassen
  • Sofortige Abhilfe fordern
  • Frist einhalten: Für eine Reklamation nach der Rückreise, beispielweise, wenn der Reisemangel nicht vor Ort behoben werden kann (wie z.B. ein anderes Hotelzimmer), ist es wichtig die Reklamationsfrist einzuhalten, sonst verliert man seine Ansprüche. Spätestens 1 Monat nach Rückkehr der Reise sollte die Reklamation beim Reiseveranstalter eingegangen sein.
  • Forderung stellen: Stellen sie eine Forderung auf. Aber Achtung! Keine utopisch hohe Forderung nur weil etwas in den ersten beiden Tagen in Ihrem Zimmer nicht in Ordnung war! Hier hilft die Frankfurter Tabelle, eine Tabelle über minderung des Reisepreises bei bestimmten Reisemängeln, welche von der 24. Zivilkammer des Landgerichtes Frankfurt am Main entwickelt wurde. Diese Prozentsätze sind zwar für andere Gerichte nicht bindend, aber gute Anhaltspunkte.
  • Eine Frist setzen: Setzen Sie eine Frist, bis wann Sie rechtliche Schritte einleiten werden
  • In der Reklamation mit Rechtsbeistand drohen: Ist die Frist erloschen und keine gütliche Einigung mit dem Reiseveranstalter erfolgt, so schalten Sie Ihren Rechtsanwalt für Reiserecht ein.
  • Beim Rechtsanwalt darauf achten: Kümmern Sie sich um einen auf Reiserecht spezialisierten Rechtsbeistand!

Weitere Informationen zu Reklamationen bei Reisemängeln im Urlaub:
Frankfurter Tabelle
Luftfahrtbundesamt

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