Hotelbewertungen im Internet sind ja seit dem Boom von Hotelbewertungsportalen wie Tripadvisor, Holidaycheck etc in aller Munde. Pünktlich zum Sommerloch berichten die privaten TV-Sender jährlich von Hotelempfehlungen, -verfehlungen und Vor-Ort-Tests. Ich kenne Keinen, der nicht vor seiner Reisebuchung die Katalogbeschreibungen und Hotelbewertungen studiert. Meist sind die TV-Berichte jedoch recht reisserisch und rufen in mir ein gewisses Gefühl von Quotenhascherei hervor. Klar, gibt es schlechte Hotels mit guten Texten im Katalog, aber ist das die Masse? Ich denke nicht. Ich denke eher, die Erwartungen an das gebuchte Hotel sind zu hoch zum bezahlten Preis für eine Pauschalreise. Man sollte immer bedenken, was zahle ich, wenn ich in Deutschland in derselben Hotelkategorie urlaube? Was kostet ein Flug ins Zielgebiet und was kostet der Transfer zum Hotel und zurück zum Flughafen? Addiert gibt dies meist die Antwort. Pauschalreisen sind immer noch recht preiswert. Man kann jedoch sparen und trotzdem einen schönen Urlaub verbringen, wenn man ein gutes Reisebüro und ein wenig Vernunft hat 🙂

Wichtig zu wissen bei Katalogbeschreibungen:

Jeder Reiseveranstalter und Hotelier möchte sein Hotel in möglichst positivem Licht darstellen. Dementsprechend werden Tatsachen zwar inhaltlich korrekt, aber trotzdem ansprechend in der Katalogbeschreibung beschrieben. Wer kennt nicht die ähnlich verklausulierte Sprache in Arbeitszeugnissen? Eignet man sich diese Denkweise an, kann man gewisse “negative” Eigenschaften schnell zwischen den Zeilen in den Beschreibungen herauslesen.

  • Belebtes Hotel –> Hier ist Stimmung angesagt. Nichts für Ruhesuchende
  • Lockere Atmosphäre –> Ebenfalls stimmungsvolles Ambiente
  • Bei Familien beliebtes Hotel –> Vorsicht: Familien mit Kindern (ich distanziere mich hiervon-jeder war schliesslich mal klein und ich finde Familien im Urlaub eher nett, denn schlimm 🙂 )
  • Familiärgeführtes Hotel / Familienbetrieb –> Kann gut/kann schlecht sein. Ich empfehle eher die Kettenhotels, wenn nicht ein einsames Familienhotel gewünscht ist, da stimmt die Qualität (weil ständige Überprüfung durch den Konzern, ausserdem wird die Renovierung von der Zentrale gesteuert.)
  • Meerseite bedeutet nicht Meersicht! Trotzdem ist die Seite zum Meer hin immer empfehlenswert, sonst hat man vielleicht ein Zimmer zur rückseitigen Strasse. Oceanfront ist immer noch das Non-plus-ultra!
  • Flughafennähe kann nicht immer ein Vorteil sein!
  • Unterschied: Direkte Strandlage, Strandnähe etc. ist enorm aussagekräftig, muss aber nicht immer einen Nachteil für ein Hotel darstellen

Man sollte immer bedenken, die tatsächliche Beschreibung eines Hotels wird in netten Worten dargestellt. Nicht gelogen, nicht übertrieben. Die Menschen, die eine Hotelbeschreibung für einen Katalog entwerfen machen sich die größte Mühe das Hotel möglichst objektiv zu beschreiben, denn kein Reiseveranstalter riskiert gern, dass ein Reisender nicht mehr über ihn die Reise bucht, weil er sich in seinem letzten Urlaub getäuscht fühlt. Gibt es wirklich Reisemängel, wurden also Leistungen versprochen, die nicht gehalten werden konnten, gibt es die Möglichkeit, zu reklamieren. Wie eine Reklamation ausschauen sollte, beschreibe ich in meinem How-to Reklamation.

Doch was ist dran an den subjektiven Bewertungen der Nutzer von Holidaycheck & Co.?

Zuerst einmal glaube ich an das Gute und daran, dass sich Qualität durchsetzt. Hier gebe ich Tipps, wie man Bewertungen aus Katalogen und im Internet lesen und interpretieren sollte. Zuerst einmal ist ja klar, dass man bei unterschiedlichen Preisen, die schliesslich Hotelübernachtungen kosten, unterschiedliche Maßstäbe ansetzen kann. Bei einem 2** Hotel kann man nicht erwarten, ein Zimmer, den Service und das Frühstück im 4**** Standard zu bekommen.

Hotelbewertungen im Internet sind subjektiv. Jeder Reisende hat andere Erwartungen an seine Reise. Des Öfteren werden diese nicht zureichend erfüllt. Ich denke, die Tendenz, die Holidaycheck & Co. geben, stimmen schon. Ab und zu erkennt man “Ausreisser” ins sehr Positive und vermehrt ins sehr Negative. Negative Bewertungen – sei es, weil wirklich ein Mangel vorlag, oder weil die eigenen Erwartungen einfach höher waren- kann man recht einfach entlarven. Bei einer subjektiven Bewertung, denn kein Tourist wird in seinem Urlaub ein Hotel objektiv bewerten, kommen viele Erfahrungen aus Anreise, Familienstrietereien etc. mit ins Gewicht, die man oft schon aus der Hotelbewertung herauslesen kann.

  • Alter der Bewerter prüfen: Gibt es besonders junge/alte Nutzer die hier besonders gut oder schlecht werten?
  • Familienstand prüfen: Schreibt ein Single/Familienvater etc. besonders schlecht?
  • Wahrheitsgehalt prüfen: Wird alles schlecht/alles sehr gut bewertet?
  • Persönliche Empfehlungen: “diego, der Tauchlehrer hatte immer einen netten Spruch auf den Lippen…” zeugt von persönlichem Erlebnis
  • Menge an Bewertungen: Gibt es 2, 20, 200 positive Bewertungen? Bei wenigen positiven oder negativen Bewertungen sollte man diese aufmerskam lesen
  • Länderspezifische Gepflogenheiten: Was kann man erwarten, was kann man im jeweiligen Zielgebiet nicht erwarten? Kann man einen Vorwurf machen, weil in einem islamischen Land topless nicht gern gesehen wird?

Wenn man mit ein wenig Vernunft diese Hotelbewertungen liest, erkennt man oft absichtlich schlechte Hotelbewertungen von Konkurrenten oder aufgrund schlechter Erfahrungen im Urlaub, für das das Hotel nichts kann, sondern die Reisevorbereitung, Erwartungshaltung und Stimmung im Urlaub.

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